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Aug 22nd, 2011 Comments: 0

Anonymität und soziale Netzwerke..

Plurk
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Die Diskussion schwappt zurzeit über uns wie ein Tsunami:
Soll es ein Recht auf anonyme Profile in sozialen Netzwerken geben oder nicht?

Bislang wird diese Diskussion überwiegend auf der Basis von Datenschutz diskutiert:

  • Eine Vielzahl von Mitgliedern möchte über Themen diskutieren, ohne dass die Welt gleich erfährt, wer sich dahinter wirklich verbirgt.
  • Das einzelne Mitglied weiß nicht, was der jeweilige Anbieter mit diesen hinterlegten Informationen eigentlich macht und wie er sie nutzt oder schützt.
  • Viele demokratische Prozesse – egal ob in Nordafrika oder sonst wo – wären nicht möglich (gewesen), wenn die Initiatoren und Teilnehmer sich auf den Netzwerken mit ihren tatsächlichen Identitäten hätten engagieren müssen.

Aber trifft dies am Ende wirklich den Punkt bei den üblichen Netzwerken, in denen Millionen von Menschen sich täglich bewegen? Wir reden ja nicht über die zum Teil bemerkenswert leidenschaftlich geführten Diskussionen in den Portalen der großen Online Zeitungen. Nicht jeder von uns organisiert einen Staatsaufstand. Dies sind zugegebener Maßen Spezialfälle, in denen Anonymität wünschenswert und erforderlich ist.

Facebook und Google+ – um die beiden zurzeit wohl marktführenden Netzwerke herauszugreifen – verlangen beide von ihren Mitgliedern, dass sie natürliche Personen sind und auch als solche mit ihren realen Identitäten auftreten (Google). Von Google wird zurzeit verstärkt berichtet, dass Accounts, die erkennbar diese Regel  missachten, gelöscht werden.

Sowohl Eric Schmidt als Vertreter für Google als auch Randi Zuckerberg für Facebook bekennen sich ganz offen zu diesem Verhalten. Sie begründen dies damit, dass der Zwang zur Offenlegung der eigenen Identität das Internet sicherer und fairer machen würde, weil Spammer und Diffamierer sich nicht hinter Pseudonymen verstecken könnten.

Diese Argumentation mag man glauben und teilen oder nicht. Und sicherlich kann man auch den einen oder anderen Gedanken an die relativ
offensichtlichen geschäftlichen Interessen der beiden Giganten verschwenden. Klar ist: je persönlicher die Informationen sind, die sie über ihre Mitglieder erhalten, desto größer ist der wirtschaftliche Nutzen. Das klappt allerdings auch mit Pseudonymen: Letztlich ist es egal wie ich heiße – die individuelle Werbung kann man mir auch in mein pseudonymisiertes Profil einblenden.

Stellen wir uns doch umgekehrt der Frage, welchen Nutzen Anwender ziehen können.  Seit einiger Zeit ist es nicht mehr unüblich, dass bei Onlinediensten beim Anmelden zwei Alternativen zur Auswahl stehen: Ein neues (noch ein) Konto anlegen oder über Facebook anmelden. Wie segensreich! Nicht noch ein Konto, noch ein Kennwort. Im Zweifel das gleiche wie bei den 20 Anbietern davor – sehr sicher. Facebook weiß
wer ich bin. Allen anderen Anbietern genügt es zu wissen, dass Facebook weiß wer ich bin.

Die in dutzende Fraktale zersplitterte Onlineexistenz wird zusammengeführt in eine ganze Person: Mein virtuelles Abbild bei Facebook.

Diese Idee lässt sich ja konsequent weiterdenken: Bis jetzt glaubt Facebook zu wissen wer ich bin. Solange meine Fakeexistenz nicht zu auffällig ist, finden die mich unter 750mio Mitgliedern nie. Was, wenn wir den nächsten Schritt gehen würden? Facebook erlangt formelle Gewissheit über meine reale Existenz!

Bis jetzt kann ich mich mit meinen Facebook-Account nur bei Diensten anmelden, die keinerlei Rechtsverbindlichkeit haben. Onlinehandel, Finanzgeschäfte, usw. bleiben außen vor. Mit einem überprüften Account wären auch diese Geschäfte denkbar. Mehr noch: Der Einsatz digitaler Signaturen ist in Deutschland – zumindest im Privatbereich – verschwindend gering. Das liegt sicherlich an drei Dingen:

  1. dem technischen Aufwand,
  2. den Kosten und
  3. es geht auch ohne.

Nichts spräche dagegen, Facebook als zentrale Zertifizierungsstelle zu verstehen. Jedes bestätigte Account wird mit einer Signatur versehen. Jeder Dienst, an dem ich mich anmelde, erhält so Gewissheit über meine Person und kann mit mir rechtssichere Geschäfte online tätigen. Der Preis: Ich gebe etwas von meinen persönlichen Informationen an ein Unternehmen bekannt, dass damit ein Geschäft macht. Und? Neu ist das
nicht. Und offline ist das nicht anders. Und im Übrigen: Bislang wird dieses Geschäft von Unternehmen wie VeriSign gemacht – schlecht verdienen tun die damit auch nicht.

Einen ersten Schritt in die Richtung scheint Google jetzt zu gehen:  Google hat angekündigt, ab sofort Profile von celebrities und Powerusern mit Badges zu versehen, wenn die Personen als real bestätigt sind. Noch ist nicht klar, in welcher Weise diese Bestätigung in der Masse erlangt werden kann. Der nächste Schritt soll dann die Bestätigung aller Nutzer sein.

Das Ziel ist klar: In einigen Jahren wird aus einem unverbindlichen Netz ein digitales Welt-Einwohnermeldeamt. Ich sehe der Entwicklung durchaus optimistisch entgegen. Eine Frage aber bleibt: Was passiert mit denen, die nicht real sein können oder wollen???

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