Warum tun wir uns das an? – Part II

Kaum das man sich mal auf eine Statistik festgelegt hat, gibt es auch schon die nächste. Und selbstverständlich sagt sie genau das Gegenteil.

Also: Da soll es also eine neuere Untersuchung geben, die uns wissen läßt, dass der überwiegende Anteil der LBS Nutzer Frauen sei – 50,8% genau. Leider konnte ich die Quelle nicht recherchieren, deshalb hier der Hinweis auf eine Veröffentlichung: http://www.businessnewsdaily.com/women-lead-location-based-checkins-smartphones-1344/ - es sei jedem und jeder selbst überlassen zu entscheiden, wie seriös das ist… (und wer die Quelle findet, darf sich gern melden).

Aber nehmen wir doch einfach für einen Moment an, die Zahl stimmt. Bislang wurde immer wieder gern argumentiert, Frauen seien LBS weniger aufgeschlossen, aus Angst ihren Aufenthaltsort zu veröffentlichen.

Für mich hört sich das schon immer an wie die unsägliche Sache mit den Frauenparkplätzen: Warum sollten nur Frauen Angst vor Überfällen in dunklen abgelegenen Parkhäusern haben? Es ist ja nicht gerade so, als ob Männer noch nie überfallen wurden und deshalb offensichtlich kein Bedürfnis an Sicherheit haben. Tatsächlich darf man aber vermuten, dass die Art der Gefahr geschlechtsspezifisch ist.

Angewendet auf LBS bedeutet das: Vielleicht sollten die einschlägigen Publikationen vorher definieren und publizieren, was sie überhaupt darunter verstehen. Reden wir über Groupon oder Facebook Places? Foursquare oder Google Latitude? Bei jedem dieser Dienste ist die Motivation zur Veröffentlichung des eigenen Standortes eine andere – und der Umfang auch. Bei einem solchermaßen differenzierten Vergleich dürfen wir wohl mit durchaus interessanten und für die Praxis relevanten Feststellungen rechen..

Sind Frauen eventuell eher daran interessiert, solche Dienste zu nutzen, die eine soziale Funktion erfüllen, während Männer dem Konkurrenzgedanken anhängen und der Welt ihr Haus, ihr Boot, ihr Pferd mitteilen wollen? Gelegentlich hörte ich zum Beispiel die These, Frauen würden sich an Spielanwendungen wie Foursquare eher nicht beteiligen, weil sie die Wettbewerbsidee nicht mittragen würden (http://www.economist.com/blogs/babbage/2011/06/geosocial-networking) und ihnen der Sinn für virtuelle Auszeichnungen abginge.

Mit scheint dies alles doch von ziemlich viel typischen Rollenklischees durchsetzt. Aber wenn das doch so wäre – was bedeutet das dann für die Anbieter? Welche Anbieter sind überhaupt betroffen? Wenn Frauen also tatsächlich die Mehrheit bei den LBS-Nutzern stellt, sollte es sich lohnen, diesen Fragen nachzugehen..

Martin