Apple und LBS

 

 

Apple hat mal wieder die Nase vorn. Und wieder in einer Art, die sich nicht durch besondere Innovationsfähigkeit auszeichnet – auch wenn sie uns immer anderes glauben machen wollen. Dafür kann dieser Fall für die gesamte Branche aber zu einem Albtraum werden.

Am 15.11.2011 wurde Apple ein Patent (erneut) zugewiesen (RE42,927), dass bereits in 2000 Xerox erteilt wurde (6,122,520) und von Apple übernommen wurde.

Der entscheidende Ausschnitt der Patentschrift:

„A location information system that displays location specific information, the location information system, comprising: a receiver that receives location identification information from at least one site specific object identifying a location.Iadd., where the at least one site specific object is a beacon.Iaddend.; and a transceiver that transmits the location identification information to a distributed network and that receives the location specific information about the specified location from the distributed network based on the location identification information, herein the location specific information provides information corresponding to the location.”

Im Klartext: Apple hat ein Patent auf jede Art von Location Based Services. Ganz gleich, wo der „Receiver“ die Ortsinformation her hat – GPS, WiFi, oder vielleicht sogar QR-Codes oder Bilderkennung. Der Vorgang ist von dem Patent abgedeckt.

Egal was der „Transceiver“ danach mit der Information macht – Restaurantempfehlungen geben, Werbung einblenden, Kaufoptionen anbieten.. Der Vorgang ist vom Patent abgedeckt.

Apple hat also die Hand auf dem Geschäft mit den location based services. Noch ist nicht klar, wie Apple dieses Patent nutzen will. Die Art, in der Apple in der Vergangenheit jedes seiner Patente international aggressiv verteidigt hat, lässt nichts Gutes ahnen.

Aber ich habe jetzt auch keine Zeit mehr für weitere Spekulation. Ich muss an meiner Patenschrift arbeiten: „Ein Verfahren zum thermalen Fertigungsprozess einer liquiden Emulsion unter Zugabe von biologisch aktiven Komponenten“ . Und danach kassiere ich 10ct Lizenzgebühr an jedem weltweit gebackenen Brot oder Brötchen.

Anonymität und soziale Netzwerke..

Die Diskussion schwappt zurzeit über uns wie ein Tsunami:
Soll es ein Recht auf anonyme Profile in sozialen Netzwerken geben oder nicht?

Bislang wird diese Diskussion überwiegend auf der Basis von Datenschutz diskutiert:

  • Eine Vielzahl von Mitgliedern möchte über Themen diskutieren, ohne dass die Welt gleich erfährt, wer sich dahinter wirklich verbirgt.
  • Das einzelne Mitglied weiß nicht, was der jeweilige Anbieter mit diesen hinterlegten Informationen eigentlich macht und wie er sie nutzt oder schützt.
  • Viele demokratische Prozesse – egal ob in Nordafrika oder sonst wo – wären nicht möglich (gewesen), wenn die Initiatoren und Teilnehmer sich auf den Netzwerken mit ihren tatsächlichen Identitäten hätten engagieren müssen.

Aber trifft dies am Ende wirklich den Punkt bei den üblichen Netzwerken, in denen Millionen von Menschen sich täglich bewegen? Wir reden ja nicht über die zum Teil bemerkenswert leidenschaftlich geführten Diskussionen in den Portalen der großen Online Zeitungen. Nicht jeder von uns organisiert einen Staatsaufstand. Dies sind zugegebener Maßen Spezialfälle, in denen Anonymität wünschenswert und erforderlich ist.

Facebook und Google+ – um die beiden zurzeit wohl marktführenden Netzwerke herauszugreifen – verlangen beide von ihren Mitgliedern, dass sie natürliche Personen sind und auch als solche mit ihren realen Identitäten auftreten (Google). Von Google wird zurzeit verstärkt berichtet, dass Accounts, die erkennbar diese Regel  missachten, gelöscht werden.

Sowohl Eric Schmidt als Vertreter für Google als auch Randi Zuckerberg für Facebook bekennen sich ganz offen zu diesem Verhalten. Sie begründen dies damit, dass der Zwang zur Offenlegung der eigenen Identität das Internet sicherer und fairer machen würde, weil Spammer und Diffamierer sich nicht hinter Pseudonymen verstecken könnten.

Diese Argumentation mag man glauben und teilen oder nicht. Und sicherlich kann man auch den einen oder anderen Gedanken an die relativ
offensichtlichen geschäftlichen Interessen der beiden Giganten verschwenden. Klar ist: je persönlicher die Informationen sind, die sie über ihre Mitglieder erhalten, desto größer ist der wirtschaftliche Nutzen. Das klappt allerdings auch mit Pseudonymen: Letztlich ist es egal wie ich heiße – die individuelle Werbung kann man mir auch in mein pseudonymisiertes Profil einblenden.

Stellen wir uns doch umgekehrt der Frage, welchen Nutzen Anwender ziehen können.  Seit einiger Zeit ist es nicht mehr unüblich, dass bei Onlinediensten beim Anmelden zwei Alternativen zur Auswahl stehen: Ein neues (noch ein) Konto anlegen oder über Facebook anmelden. Wie segensreich! Nicht noch ein Konto, noch ein Kennwort. Im Zweifel das gleiche wie bei den 20 Anbietern davor – sehr sicher. Facebook weiß
wer ich bin. Allen anderen Anbietern genügt es zu wissen, dass Facebook weiß wer ich bin.

Die in dutzende Fraktale zersplitterte Onlineexistenz wird zusammengeführt in eine ganze Person: Mein virtuelles Abbild bei Facebook.

Diese Idee lässt sich ja konsequent weiterdenken: Bis jetzt glaubt Facebook zu wissen wer ich bin. Solange meine Fakeexistenz nicht zu auffällig ist, finden die mich unter 750mio Mitgliedern nie. Was, wenn wir den nächsten Schritt gehen würden? Facebook erlangt formelle Gewissheit über meine reale Existenz!

Bis jetzt kann ich mich mit meinen Facebook-Account nur bei Diensten anmelden, die keinerlei Rechtsverbindlichkeit haben. Onlinehandel, Finanzgeschäfte, usw. bleiben außen vor. Mit einem überprüften Account wären auch diese Geschäfte denkbar. Mehr noch: Der Einsatz digitaler Signaturen ist in Deutschland – zumindest im Privatbereich – verschwindend gering. Das liegt sicherlich an drei Dingen:

  1. dem technischen Aufwand,
  2. den Kosten und
  3. es geht auch ohne.

Nichts spräche dagegen, Facebook als zentrale Zertifizierungsstelle zu verstehen. Jedes bestätigte Account wird mit einer Signatur versehen. Jeder Dienst, an dem ich mich anmelde, erhält so Gewissheit über meine Person und kann mit mir rechtssichere Geschäfte online tätigen. Der Preis: Ich gebe etwas von meinen persönlichen Informationen an ein Unternehmen bekannt, dass damit ein Geschäft macht. Und? Neu ist das
nicht. Und offline ist das nicht anders. Und im Übrigen: Bislang wird dieses Geschäft von Unternehmen wie VeriSign gemacht – schlecht verdienen tun die damit auch nicht.

Einen ersten Schritt in die Richtung scheint Google jetzt zu gehen:  Google hat angekündigt, ab sofort Profile von celebrities und Powerusern mit Badges zu versehen, wenn die Personen als real bestätigt sind. Noch ist nicht klar, in welcher Weise diese Bestätigung in der Masse erlangt werden kann. Der nächste Schritt soll dann die Bestätigung aller Nutzer sein.

Das Ziel ist klar: In einigen Jahren wird aus einem unverbindlichen Netz ein digitales Welt-Einwohnermeldeamt. Ich sehe der Entwicklung durchaus optimistisch entgegen. Eine Frage aber bleibt: Was passiert mit denen, die nicht real sein können oder wollen???

Warum tun wir uns das an? – Part II

Kaum das man sich mal auf eine Statistik festgelegt hat, gibt es auch schon die nächste. Und selbstverständlich sagt sie genau das Gegenteil.

Also: Da soll es also eine neuere Untersuchung geben, die uns wissen läßt, dass der überwiegende Anteil der LBS Nutzer Frauen sei – 50,8% genau. Leider konnte ich die Quelle nicht recherchieren, deshalb hier der Hinweis auf eine Veröffentlichung: http://www.businessnewsdaily.com/women-lead-location-based-checkins-smartphones-1344/ - es sei jedem und jeder selbst überlassen zu entscheiden, wie seriös das ist… (und wer die Quelle findet, darf sich gern melden).

Aber nehmen wir doch einfach für einen Moment an, die Zahl stimmt. Bislang wurde immer wieder gern argumentiert, Frauen seien LBS weniger aufgeschlossen, aus Angst ihren Aufenthaltsort zu veröffentlichen.

Für mich hört sich das schon immer an wie die unsägliche Sache mit den Frauenparkplätzen: Warum sollten nur Frauen Angst vor Überfällen in dunklen abgelegenen Parkhäusern haben? Es ist ja nicht gerade so, als ob Männer noch nie überfallen wurden und deshalb offensichtlich kein Bedürfnis an Sicherheit haben. Tatsächlich darf man aber vermuten, dass die Art der Gefahr geschlechtsspezifisch ist.

Angewendet auf LBS bedeutet das: Vielleicht sollten die einschlägigen Publikationen vorher definieren und publizieren, was sie überhaupt darunter verstehen. Reden wir über Groupon oder Facebook Places? Foursquare oder Google Latitude? Bei jedem dieser Dienste ist die Motivation zur Veröffentlichung des eigenen Standortes eine andere – und der Umfang auch. Bei einem solchermaßen differenzierten Vergleich dürfen wir wohl mit durchaus interessanten und für die Praxis relevanten Feststellungen rechen..

Sind Frauen eventuell eher daran interessiert, solche Dienste zu nutzen, die eine soziale Funktion erfüllen, während Männer dem Konkurrenzgedanken anhängen und der Welt ihr Haus, ihr Boot, ihr Pferd mitteilen wollen? Gelegentlich hörte ich zum Beispiel die These, Frauen würden sich an Spielanwendungen wie Foursquare eher nicht beteiligen, weil sie die Wettbewerbsidee nicht mittragen würden (http://www.economist.com/blogs/babbage/2011/06/geosocial-networking) und ihnen der Sinn für virtuelle Auszeichnungen abginge.

Mit scheint dies alles doch von ziemlich viel typischen Rollenklischees durchsetzt. Aber wenn das doch so wäre – was bedeutet das dann für die Anbieter? Welche Anbieter sind überhaupt betroffen? Wenn Frauen also tatsächlich die Mehrheit bei den LBS-Nutzern stellt, sollte es sich lohnen, diesen Fragen nachzugehen..

Martin

Warum tun wir uns das an?? – Location Based Services

Hast du dich auch schon mal gefragt, warum deine Freunde auf Facebook immer an irgendwelchen Orten einchecken? Oder was daran so toll ist, bei Foursquare Bürgermeister von einem Supermarkt zu sein?

Das sind die Fragen, die Kerstin Blumberg in ihrer Masterarbeit an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover zu beantworten versucht. Und die Fragen sind ja nicht unberechtigt.

Einer aktuellen comScore-Umfrage zufolge nutzen in USA etwa 16,7 Mio Mobilfunknutzer Check-In Services. Das sind etwa 7% aller Mobiltelefonbesitzer. Nimmt man nur die Besitzer von Smartphones in den Blick, sind es  zwar nur noch 12,7 Mio Nutzer – was allerdings 17,6% dieser Anwendergruppe entspricht. Und die Zahlen steigen!

Gleichzeitig scheint das Nutzungsverhalten aber auf einzelne Personengruppen fokussiert zu sein. Zum einen – natürlich – auf das Alter. Laut comScore sind mehr als 50% der Check-In Nutzer im Alter zwischen 18 und 34 Jahren (58,5%). Nimmt man noch die 35-44jährigen hinzu, sind es sogar 77,2%.

Auf der anderen Seite handelt es sich wohl um eine Männerdomäne: Nach einer Studie von eMarketer verweigern 77% der weiblichen Mobiltelefonnutzer die Benutzung von LBS. Meist mit der Begründung, Angst vor Belästigung zu haben.

Genau diesen Fragestellungen geht Kerstin in ihrer Onlineumfrage nach. In etwa 10-15 Minuten bittet sie um Antworten zum eigenen Nutzungsverhalten und zu den eigenen Ängsten und Erwartungen. Der Zugang findet sich hier:  http://ww3.unipark.de/uc/MA-Arbeit_2011/Location_Sharing_Services/ . Aufgerufen sind alle Internetnutzer – ganz egal, ob Ihr diese Art von Services nutzt oder nicht. Die Ergebnisse werden sicher spannend sein. Wir werden zu gegebener Zeit berichten!

Stay tuned!
Martin

Beyond our fences… von Gräben und Zäunen

Vor wenigen Tagen war es wieder soweit: ich habe der Welt mitgeteilt, was die Welt eigentlich gar nicht wissen wollte – ich bin im Urlaub. Weit weg. In der Sonne.

Nein! Ich habe keine Werbeminuten im Fernsehen gebucht und keinen Zeppelin aufsteigen lassen. Ich habe mich einfach eingechecked. Am Ocean Drive, Miami Beach. Toll!

Und da waren sie wieder, die Fragen die Generation-Online bewegen:

  • Ist das schlau?
  • Muss das sein?
  • Interessiert das irgendjemand?
  • Was hab ich davon?

Zumindest die ersten Fragen scheinen eher philosophischer Natur und  ohne echten Anspruch auf zweifelsfreie Antwort. Gräben tun sich auf zwischen den Verfechtern der omnilokalen online-user und jener, die ihre behauptetermaßen reale Offline Welt verteidigen müssen. Erstaunlicherweise sind sich aber diejenigen nicht einig, die ansonsten wenige Probleme damit haben, immer online zu sein.

Diverse Argumente werden hervorgezaubert: Von angeblich steigenden Einbruchszahlen bis hin zur Angst vor totaler Überwachung – durch unsere Freunde ebenso wie den Anbieter der Checkin-Plattform.

Aber ist dies so? Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir mit den Zäunen in unseren Köpfen umzugehen lernen müssen, die uns in einem Zeitalter gefangen halten, in dem ich meinen Urlaubsstandort nur ausgewählten Mitgliedern meines Netzwerks aufwändig analog mitteilen konnte – vermittels einer Postkarte?

Allein: Was bringt es mir? Der Neid der Welt hält sich in Grenzen: Mehr als ein paar nüchterne “gefällt mir..” kann ich in einer von Reizen überfluteten Welt wohl nicht erwarten. Vielen Dank, dass überhaupt irgendjemand wahrgenommen hat, dass ich nicht da bin!

Wäre es nicht toll, wenn meine unerwartete Anwesenheit an einem mir fremden Ort auch von denen wahrgenommen würde, die mir genau dort ihre Aufmerksamkeit zukommen lassen könnten? Menschen die meine Interessen teilen, Dienstleister die meine Wünsche kennen,.. Dummerweise weiß keiner von denen irgendetwas von meiner Anwesenheit.. Die Zäune rund um meine Anwesenheit sind unüberwindlich. Kaum ein Dienst hat Zugriff auf meinen Schrei in der Einsamkeit – sei es aus technischen Gründen, oder weil ich aus Gründen des persönlichen Schutzes nur im Verschwiegenen schreie (siehe oben).

Wir sind hier angetreten, zumindest die letzten beiden Aspekte hier in Zukunft näher zu beleuchten

  • Wie überwinden wir die Grenzen zwischen Anwendungen und Diensten zu einem übergeordneten “Superdienst”, der aus einer weitestgehend sinnfreien persönlichen Lokalisierungsinformation einen echten Mehrwert generiert?
  • Wie schaffen wir es dabei, die Angst vor der totalen Überwachung zu überwinden? Sind “Fences” ein sinnvolles Konzept? Oder ist es gar so, dass wir uns auf eine Zukunft ohne Privatheit einstellen müssen, weil die Zukunft eben genau so ist?

In diesem Sinne.. die Sonne ruft :)

Warum dieser Blog?

Location Based Services halten immer stärkeren Einzug in unser Leben. Wir selber, Martin und Georg, sind begeisterte Nutzer dieser Dienste. Es ist einfach praktisch in einer fremden Stadt mit wenigen Fingerwischen das nächste, nette Café zu finden oder den Weg in den Lieblingsklamottenladen zu finden.

Lasst uns Zeuge und Mitgestalter der noch folgenden spannenden Entwicklungen in diesem Bereich sein!